Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen

Um eine Autoimmunerkrankung als Ursache für eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse auszuschließen, muss der Arzt das Blut auf spezielle Antikörper gegen Bestandteile der Schilddrüse untersucht werden:

  1. Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-AK, Anti-TPO): Die Thyreoperoxidase ist ein Enzym, das eine wichtige Funktion bei der Bildung der Schilddrüsenhormone hat. Antikörper gegen die Thyreoperoxidase sind meist bei der Hashimoto-Thyreoiditisund anderen Formen der Schilddrüsenentzündung sowie bei Morbus Basedow im Blut zu finden. Jedoch lassen sich diese Antikörper auch bei fünf Prozent der gesunden Personen nachweisen. Ein positives Anti-TPO-Ergebnis alleine ist also kein Beweis für eine Autoimmunerkrankung.
  2. Thyreoglobulin-Antikörper (TAK, TG-AK, Anti-TG): Thyreoglobulin ist ein Speicherprotein für Schilddrüsenhormone. Antikörper gegen Thyreoglobulin lassen sich bei der Hashimoto-Thyreoiditis, anderen Formen der Schilddrüsenentzündung, Morbus Basedow, Schilddrüsenkrebs sowie bei fünf Prozent der gesunden Personen nachweisen.
  3. TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK, Anti-TSH-R): Der TSH-Rezeptor ist die „Andockstelle“ für das Hormon TSH an der Schilddrüse. Antikörper gegen den TSH-Rezeptor liegen typischerweise bei Morbus Basedow vor. Nur in wenigen Fällen lassen sie sich bei anderen Schilddrüsen-erkrankungen nachweisen. Bei gesunden Personen ist der TRAK-Wert negativ.

Eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung muss immer zwingend ärztlich begleitet werden.

Sekundäre Schilddrüsenerkrankungen

Bei einer sekundären Funktionsstörung hingegen liegt die Störung in einem übergeordneten Organ des Hormonregelkreises, also im Hypothalamus oder – häufiger – in der Hypophyse. Eine sekundäre Schilddrüsenunterfunktion wird meistens durch eine Hypophysenunterfunktion verursacht. Dabei wird von der Hypophyse zu wenig TSH gebildet und die Schilddrüse wird nicht ausreichend zur Bildung von T3 und T4 angeregt. Dagegen kann eine sekundäre Schilddrüsenüberfunktion durch einen TSH-produzierenden Tumor der Hypophyse hervorgerufen werden – das ist allerdings relativ selten.Tumorerkrankungen müssen immer zwingend ärztlich begleitet werden.

Nitrosativer Stress (auch in Kombination mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom)

Nitrosativer Stress ist eine verstärkte Form von oxidativem Stress, der zahlreiche körperliche Strukturen schädigt und zu vielfältigen Gesundheitsstörungen führen kann. Die schädigende reaktive Sauerstoffverbindung ist hier das Stickstoffmonoxid (NO) und seine Folgeprodukte Peroxynitrit (ONOO-), Nitrotyrosin und Nitrophenylessigsäure. NO ist im Gegensatz zu anderen Radikalen relativ langlebig und in der Lage, sehr schnell biologische Membranen zu durchdringen, d.h., es erfolgt eine schnelle Verteilung in biologischen Systemen. Stickstoffmonoxid wird ständig im Körper gebildet und hat dort wichtige biologische Funktionen (u.a. als Botenstoff und Regulator). NO wird aus Arginin (einer Aminosäure) und Sauerstoff gebildet.

NO- Stress kann den normalen Stoffwechsel erheblich behindern und wird oft mit verschiedenen Krankheiten vergesellschaftet gefunden. So wird bei Entzündungsreaktionen (akut und chronisch, Infektionen, Multiple Sklerose, Autoimmunerkrankungen), Entzündungen des Magen- Darm- Traktes (Colitis, M. Crohn), neurodegenerativen Erkrankungen (wie z.B. Alzheimer oder Parkinson), Asthma, Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch bei Erkrankungen der Haut  (Schuppenflechte, Sonnenbrand) vermehrt NO produziert. Prinzipiell können alle chronischen Erkrankungen (Mit-) Auslöser von nitrosativem Stress sein. Durch die Beteiligung an einer Vielzahl von Erkrankungen und die Tatsache, dass er an komplexen Funktionsstörungen beteiligt ist (Multisystemerkrankungen ) hat der NO- Stress eine große Praxisrelevanz. Nitrosativer Stress hemmt eisenhaltige Enzyme, hat Einfluß auf die Synthese der Schilddrüsenhormone und stört wichtige Entgiftungsenzyme des Körpers. Durch die mögliche Hemmung verschiedener Botenstoffe im Nervensystem findet man beim NO- Stress oft eine enge Verbindung zum Neurostress. Da NO auch reversibel Enzyme der Mitochondrien, sind in diesem Zusammenhang vor allem Störungen bei der Energiegewinnung ein zentrales Problem für den Körper. Bei übermäßiger Stickstoffmonoxid- Synthese können Proteine, Fette und Aminosäuren nicht mehr energetisch verwertet werden und das daraus resultierende große Energieproblem zwingt den Körper zur verstärkten Aktivierung von Energiereserven, was sehr oft zur chronischen Erschöpfung und der Inakzeptanz sportlicher Betätigung wesentlich beiträgt. Nach sportlicher Betätigung steht die anschließende Erschöpfung in keinem Verhältnis zum Ausmaß des durchgeführten Trainings. Auch eine große morgendliche Müdigkeit trotz ausreichender Nachtruhe kann ein Hinweis auf nitrosativen Stress sein.

Das Chronische Erschöpfungssyndrom

Das Chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome, CFS) ist ein komplexes und schwer zu fassendes Krankheitsbild, das sich in erster Linie durch eine langanhaltende enorme Erschöpfung auszeichnet, für die sich keine Ursache finden lässt. Dazu gesellen sich noch weitere Beschwerden wie Schlafstörungen, Hals- oder Muskelschmerzen. CFS wird unter anderem auch als chronisches Müdigkeitssyndrom bezeichnet. Es soll Frauen häufiger betreffen als Männer. Das chronisches Erschöpfungssyndrom beruht hauptsächlich auf einer Minderfunktion der Mitochondrien.  Die Mitochondrien sind die Kraftwerke des Körpers. Um zu überleben, braucht der menschliche Körper diese Energie. Diese wird aus der Nahrung gewonnen und gelangt dann über das Blut in die Zellen. Um dort genutzt oder gespeichert werden zu können, muss sie jedoch erst „verbrannt“ werden – ähnlich wie Benzin in einem Motor.  Die Mitochondrien besitzen ein eigens Genom (DNA). Das Mitochondriengenom macht etwa ein Prozent der menschlichen Erbinformation aus. Daher können defekte Mitochondrien etwa 50 verschiedene Krankheiten hervorrufen (Mitochondriopathien). Die Minderfunktionen der Mitochondrien sind häufig in den Nerven, in den Muskeln aber auch in der Schilddrüse zu finden. Sind die Schilddrüse oder das Hirn (besonders Hypothalamus und Hypophyse) davon betroffen, dann wird das chronische Erschöpfungssyndrom nochmals verstärkt. Wenn diese Situation nebst oxidativem Stress, zusätzlich mit nitrosativem Stress verknüpft ist dann wird dadurch das chronische Erschöpfungssyndrom noch intensiver.

Vorausgehende Faktoren

Zu den vorausgehenden (prädisponierenden) Faktoren für ein chronisches Müdigkeitssyndrom gehören verschiedene Persönlichkeits- und Lebensstilfaktoren. So vermuten Experten zum Beispiel, dass introvertierte Menschen anfälliger für CFS sind. Das Gleiche könnte für Menschen gelten, die äußerst gewissenhaft beziehungsweise perfektionistisch veranlagt sind und hohe Erwartungen an die eigene Leistungsfähigkeit haben. Außerdem scheint körperliche Inaktivität in der Kindheit beziehungsweise während einer akuten Virusinfektion (Infektiöse Mononukleose) das Risiko zu erhöhen, im späteren Leben ein chronisches Erschöpfungssyndrom zu entwickeln.

Auslösende Faktoren

Akuter oder psychischer Stress wird als Auslöser von CFS angenommen. So entwickelt sich ein chronisches Erschöpfungssyndrom in vielen Fällen nach einer akuten Erkrankung beziehungsweise Virusinfektion wie infektiöse Mononukleose, Pfeiffersches Drüsenfieber oder Lyme-Borreliose. In anderen Fällen konnte schwerwiegende lebensverändernde Ereignisse als Auslöser von CFS identifiziert werden. Zu häufig oder falsch (bei viralen Krankheiten) eingesetzte Antibiotika kann eine CFS begünstigen.

Aufrechterhaltende Faktoren

Psychologische Prozesse können ein chronisches Erschöpfungssyndrom und die damit einhergehenden Beschwerden (wie Müdigkeit, Muskelschmerzen, Schlafprobleme etc.) aufrechterhalten. Viele chronisch erschöpfte Patienten vermeiden zum Beispiel aus Angst vor noch stärkerer Ermüdung jegliche Aktivität und ruhen sich auch tagsüber vermehrt aus. Das kann Schlafprobleme in der Nacht verursachen beziehungsweise verstärken. Der nicht erholsame Nachtschlaf kann außerdem dazu führen, dass körperliche Missempfindungen, die das chronische Müdigkeitssyndrom verstärken kann.

Antibiotika: die Ursache für mitochondriale Unterfunktionen und für CFS?

In vielen Fällen wird heute eine viral ausgelöste Krankheit mit Antibiotika bekämpft. Antibiotika dienen dem Abtöten von Bakterien. Der Grund für eine Schädigung der wichtigen menschlichen Mitochondrien ist die Ähnlichkeit des Mitochondriums mit einem Bakterium. Das Antibiotikum bekämpft bestimmte Strukturen in den Bakterien. Diese Strukturen finden wir zum Teil auch in den lebenswichtigen Mitochondrien. Schädigungen können dann nicht ausgeschlossen werden.
Mitochondrien sind aus Bakterien entstanden.

Dass Antibiotika massiv das Immunsystem schädigen stellte man bei der Beobachtung von Aids-Patienten fest. Ihre ersten Sekundärinfektionen wurden zunächst vielfach mit dem Breitbandantibiotikum „Bactrim“ (Co-Trimoxazol=Trimethoprim+Sulfadiazin) behandelt.
Daraufhin brach das Immunsystem immer schneller zusammen. Die heute allgemein akzeptierte Erklärung hierfür ist die folgende: Antibiotika schädigen nicht nur „bestimmungsgemäß“ die pathogenen Bakterien, sondern auch die allgemein als „Kraftwerke der Zelle“ bezeichneten, sehr bakterienähnlich aufgebauten Zellorganellen, die man Mitochondrien nennt. Mitochondrien sind membranumgebene, bakteriengroße Zellbestandteile. Sie sind Organellen der besonderen Art. Neben dem Zellkern besitzen sie als einzige Organellen eine eigene DNA. Die Mitochondrien produzieren in den Zellen 95 % der gesamten zellularen Energie, die der Körper braucht. Die DNA der Mitochondrien ist im Unterschied zur körpereigenen DNA nicht durch einen Zellkern geschützt, sie ist den Antibiotika schutzlos ausgeliefert. Liegt eine solche Schädigung der Mitochondrien vor, kann der Organismus weniger Energie produzieren; die Immunfunktionen lassen nach.

Antibiotika wurden gerade gegen Bakterien entwickelt. Man dachte aber dabei nur an die pathogenen oder potentiell pathogenen Bakterien. Daß aber im Körper eine gigantische Anzahl von „guten“ Bakterien eine unverzichtbare Arbeit leisten, wird oft vernachlässigt, es werden viel zu viele Antibiotika verschrieben. Die offiziell zugegebenen Nebenwirkungen, z.B. im Magen- Darm- Trakt, sind darauf zurückzuführen, daß hier besonders viele Bakterien am Werke sind. Die Darmflora gerät ins Ungleichgewicht, die Verdauung funktioniert nicht mehr richtig. Das ist allgemein bekannt. Damit wird zugleich das in den letzten Jahren erforschte Darm-Immunsystem entscheidend geschädigt. Das Immunsystem kann oft eine seiner Hauptaufgaben, das Beseitigen von körpereigenen, abgestorbenen Zellen, nach einer Antibiotikabehandlung nicht mehr richtig wahrnehmen. Das natürliche biologische Gleichgewicht von potentiell pathogenen Bakterien, körpereigenen, autochthonen nützlichen Bakterien, und Pilzen wird ruiniert. Pilzinfektionen, z.B. Candidiasis oder Aspergillose, ist damit ein idealer Nährboden bereitet. Nach einer Antibiotika-Behandlung, insbesondere bei einer viralen Krankheit, ist das Immunsystem stark geschwächt. Ein schwaches Immunsystem kann schwere Folgen mit sich bringen. Eine häufige Folge ist die, dass die geschädigten Mitochondrien sich nicht mehr richtig erholen und dies zu einer CFS führen kann.